Mangelernährung erkennen und behandeln

Wissenswertes zur Erkennung, Diagnostik und Therapie
Mangelernährung ist ein häufig unterschätztes medizinisches Problem und kann den Verlauf zahlreicher Erkrankungen erheblich beeinflussen. Eine frühzeitige Erkennung sowie eine strukturierte ernährungsmedizinische Versorgung sind entscheidend für Therapieerfolg, Lebensqualität und Prognose von Patientinnen und Patienten.
Auf dieser Seite finden Sie weiterführende Informationen zu Definition, Diagnostik, Prävalenz, Screening-Instrumenten sowie zu aktuellen Versorgungskonzepten und Qualitätsstandards im Bereich der Mangelernährung.
Zudem engagiert sich die DGEM im Rahmen der jährlich im November stattfindenden „Malnutrition Awareness Week“ (MAW) gemeinsam mit zahlreichen Partnern für mehr Aufmerksamkeit gegenüber krankheitsbezogener Mangelernährung. Weitere Informationen hierzu finden Sie im entsprechenden Themenbereich auf dieser Seite.
Themenübersicht
Definition einer Mangelernährung
Definition nach DGEM-Leitlinie „Terminologie in der Klinischen Ernährung“ (2013)
Der Begriff der krankheitsspezifischen Mangelernährung umfasst die klinisch relevanten Mangelzustände, die entweder durch eine verminderte Nahrungsaufnahme, Malabsorption und Maldigestion, eine erhöhte Proteinkatabolie oder eine Inflammation entstehen. Je nach Ätiologie wird die krankheitsspezifische Mangelernährung in verschiedene Formen unterteilt (akutkrankheitsspezifische bzw. chronische Mangelernährung mit Entzündung oder krankheitsspezifische Mangelernährung ohne Entzündung).2
Gängige Definitionen weiterer Fachverbände
Eine Mangelernährung ist ein anhaltendes Defizit an Energie und/oder Nährstoffen im Sinne einer negative Energiebilanz zwischen Aufnahme und Bedarf mit Konsequenzen und Einbußen für Ernährungszustand, physiologische Funktionen und Gesundheitszustand (DNQP Expertenstandard).3
Eine Mangelernährung ist ein Zustand der aus einer mangelnden Zufuhr oder Aufnahme von Energie und Nährstoffen über die Nahrung entsteht, zu einer veränderten Körperzusammensetzung führt und mit messbaren Veränderungen körperlicher und mentaler Funktion verbunden ist (DGE Praxiswissen: Mangelernährung in Klinken).4
Überlappung von Mangelernährung, Sarkopenie und Kachexie
Kachexie
Die Kachexie ist ein multifaktorielles Syndrom charakterisiert durch ungewollten Gewichtsverlust, Muskelatrophie, Müdigkeit, Schwäche und einen signifikanten Verlust an Appetit. Das Konzept der Kachexie inkludiert, dass der Verlust an Körpermasse durch Ernährungsmaßnahmen alleine nicht vollständig aufgehoben werden kann.2 Operative Kriterien existieren für die Kachexie6 allgemein sowie für die Identifikation der Tumorkachexie.7
Sarkopenie
In einem europäischen Konsensus-Statement wurden neue Definitions- und Diagnosekriterien für Sarkopenie8 vorgelegt. Bei der Definition steht nun die Muskelkraft und nicht mehr die Muskelmasse im Vordergrund. Sarkopenie wird hier als „progrediente und generalisierte Skelettmuskelerkrankung“ definiert, die mit einem erhöhten Risiko für negative Folgen wie Stürze, Frakturen, körperliche Einschränkungen und vorzeitigem Tod einhergeht.8
Bisher fehlte eine einheitliche Empfehlung zur Definition der Mangelernährung. So basieren Daten zur Prävalenz oftmals auf unterschiedlichen Definitionen. Ziel einer für die Versorgungsakteure einfachen Diagnose der Mangelernährung muss die klare Indikation zur Einleitung, Überwachung und Beendigung einer Ernährungstherapie sein.
Kriterien nach DGEM-Leitlinie
Entsprechend der DGEM-Leitlinie „Terminologie in der klinischen Ernährung“ (2013) wird eine krankheitsassoziierte Mangelernährung durch folgende drei unabhängige Kriterien definiert:
- Body-Mass-Index (BMI) < 18,5kg/m² ODER
- ungewollter Gewichtsverlust > 10% in den letzten 3-6 Monaten ODER
- BMI < 20kg/m² und unbeabsichtigter Gewichtsverlust > 5 % in den letzten 3-6 Monaten
- Für Erwachsene ab 65 Jahren: BMI < 20kg/m2, ungewollter Gewichtsverlust > 5% in 3 Monaten.
Zusätzlich gilt eine Nüchternperiode von länger als 7 Tagen als unabhängiges definierendes Kriterium eines Mangelernährungsrisikos. 2
Kriterien nach GLIM
Die „Global Leadership Initiative on Malnutrition“ (GLIM) hat 2018 in einem weltweiten Konsens11 der großen Fachgesellschaften eine bipolare Definition zur Diagnose der Mangelernährung vorgelegt. Hierbei sollten ein erhöhtes Risiko für Mangelernährung auf Basis eines validierten Screeninginstruments vorliegen sowie ein phänotypisches und ein ätiologisches Kriterium erfüllt sein.
Eine krankheitsassoziierte Mangelernährung ist ein häufig auftretendes Phänomen bei Patienten mit chronischen oder konsumierenden Erkrankungen. Die Prävalenz der Mangelernährung bei Aufnahme ins Krankenhaus beträgt zwischen 20 und 60 % in Abhängigkeit von den verwendeten Definitionen und diagnostischen Kriterien sowie den untersuchten Populationen.9
Eine Mangelernährung gilt als unabhängiger Risikofaktor für das klinische Outcome von Patienten. Sie ist assoziiert mit:
- höherer Morbidität und Mortalität bei akuten Erkrankungen, nach chirurgischen Traumata oder im spontanen Krankheitsverlauf chronischer Erkrankungen
- Verzögerter Rekonvaleszenz
- längerer Krankenhausverweildauer
- deutlich erhöhten klinischen Behandlungskosten10
Das Phänomen der krankheitsassoziierten Mangelernährung und die vielfältigen medizinischen, sozialen und gesundheitsökonomischen Folgen sind in den letzten 30 Jahren wissenschaftlich untersucht und belegt worden, sodass auch die EU Maßnahmen gegen die hohe Prävalenz der Mangelernährung im Krankenhaus fordert. Zahlreiche Interventionsstudien belegen außerdem die medizinische und ökonomische Effizienz gezielter Ernährungstherapien. Trotzdem findet das Problem im klinischen Alltag immer noch unzureichend Aufmerksamkeit, was unter anderem dazu führt, dass der Ernährungszustand von Patienten sich während einer Klinikbehandlung häufig weiter verschlechtert.
Aus der klinischen Relevanz der Mangelernährung folgt jedoch, dass die Erhebung des Ernährungsstatus Bestandteil jeder ärztlichen Untersuchung sein sollte. Nur dann können drohende oder manifeste Ernährungsdefizite rechtzeitig erkannt und zur Verbesserung der Prognose frühzeitig behandelt werden.
Übersicht empfohlener Instrumente
Mangelernährungsscreening
Das Mangelernährungsscreening ist ein einfacher und schneller Prozess, um Personen, die sehr wahrscheinlich mangelernährt sind oder ein Risiko für eine krankheitsspezifische Mangelernährung tragen, zu identifizieren und festzustellen, ob die Durchführung eines detaillierten Ernährungsassessments indiziert ist. 2
E43 - Nicht näher bezeichnete erhebliche Energie- und Eiweißmangelernährung
Erheblicher Gewichtsverlust (Unterernährung, Kachexie) bei Kindern oder Erwachsenen oder fehlende Gewichtszunahme bei Kindern, die zu einem Gewichtswert führen, der mindestens drei Standardabweichungen unter dem Mittelwert der Bezugspopulation liegt (oder eine ähnliche Abweichung in anderen statistischen Verteilungen).
Wenn nur eine Gewichtsmessung vorliegt, besteht mit hoher Wahrscheinlichkeit eine erhebliche Unterernährung, wenn der Gewichtswert drei oder mehr Standardabweichungen unter dem Mittelwert der Bezugspopulation liegt.
Nach dem Nutritional Risk Screening15 (NRS 2002) ist die Schlüsselnummer E43 in der stationären Versorgung bei Erwachsenen auch zu benutzen, wenn folgende Kriterien erfüllt sind:
- Der NRS Score beträgt mehr als 4 und der Body Mass Index ist kleiner als 18,5 kg/m2 und/oder
- der NRS Score beträgt mehr als 4 und es liegt ein ungewollter erheblicher Gewichtsverlust von mehr als 15 Prozent innerhalb der letzten drei Monate (bzw. fünf Prozent innerhalb des letzten Monats) vor.
Inkl.: Hungerödem
E43 - Nicht näher bezeichnete erhebliche Energie- und Eiweißmangelernährung
Erheblicher Gewichtsverlust (Unterernährung, Kachexie) bei Kindern oder Erwachsenen oder fehlende Gewichtszunahme bei Kindern, die zu einem Gewichtswert führen, der mindestens drei Standardabweichungen unter dem Mittelwert der Bezugspopulation liegt (oder eine ähnliche Abweichung in anderen statistischen Verteilungen).
Wenn nur eine Gewichtsmessung vorliegt, besteht mit hoher Wahrscheinlichkeit eine erhebliche Unterernährung, wenn der Gewichtswert drei oder mehr Standardabweichungen unter dem Mittelwert der Bezugspopulation liegt.
Nach dem Nutritional Risk Screening15 (NRS 2002) ist die Schlüsselnummer E43 in der stationären Versorgung bei Erwachsenen auch zu benutzen, wenn folgende Kriterien erfüllt sind:
- Der NRS Score beträgt mehr als 4 und der Body Mass Index ist kleiner als 18,5 kg/m2 und/oder
- der NRS Score beträgt mehr als 4 und es liegt ein ungewollter erheblicher Gewichtsverlust von mehr als 15 Prozent innerhalb der letzten drei Monate (bzw. fünf Prozent innerhalb des letzten Monats) vor.
Inkl.: Hungerödem
E43 - Nicht näher bezeichnete erhebliche Energie- und Eiweißmangelernährung
Erheblicher Gewichtsverlust (Unterernährung, Kachexie) bei Kindern oder Erwachsenen oder fehlende Gewichtszunahme bei Kindern, die zu einem Gewichtswert führen, der mindestens drei Standardabweichungen unter dem Mittelwert der Bezugspopulation liegt (oder eine ähnliche Abweichung in anderen statistischen Verteilungen).
Wenn nur eine Gewichtsmessung vorliegt, besteht mit hoher Wahrscheinlichkeit eine erhebliche Unterernährung, wenn der Gewichtswert drei oder mehr Standardabweichungen unter dem Mittelwert der Bezugspopulation liegt.
Nach dem Nutritional Risk Screening15 (NRS 2002) ist die Schlüsselnummer E43 in der stationären Versorgung bei Erwachsenen auch zu benutzen, wenn folgende Kriterien erfüllt sind:
- Der NRS Score beträgt mehr als 4 und der Body Mass Index ist kleiner als 18,5 kg/m2 und/oder
- der NRS Score beträgt mehr als 4 und es liegt ein ungewollter erheblicher Gewichtsverlust von mehr als 15 Prozent innerhalb der letzten drei Monate (bzw. fünf Prozent innerhalb des letzten Monats) vor.
Inkl.: Hungerödem
Ernährungsassessment
Das Ernährungsassessment ist die umfassende Diagnose von Ernährungsproblemen mithilfe von Krankengeschichte, aktueller Medikation, Ernährungsanamnese, validierten Assessementinstrumenten (z. B. SGA, MNA-long, PG-SGA), körperlichen Untersuchungen, Körperzusammensetzung, Anthropometrie und Laborwerten. Das Ergebnis des Ernährungsassessments stellt die Rationale zur Indikation jeder Ernährungsintervention dar. Nach vorausgehendem Mangelernährungsscreening ist es der zweite, definierende Schritt in der Erkennung der Mangelernährung oder des Mangelernährungsrisikos und identifiziert damit Patienten, die potenziell von einer Ernährungstherapie profitieren. 2
E43 - Nicht näher bezeichnete erhebliche Energie- und Eiweißmangelernährung
Erheblicher Gewichtsverlust (Unterernährung, Kachexie) bei Kindern oder Erwachsenen oder fehlende Gewichtszunahme bei Kindern, die zu einem Gewichtswert führen, der mindestens drei Standardabweichungen unter dem Mittelwert der Bezugspopulation liegt (oder eine ähnliche Abweichung in anderen statistischen Verteilungen).
Wenn nur eine Gewichtsmessung vorliegt, besteht mit hoher Wahrscheinlichkeit eine erhebliche Unterernährung, wenn der Gewichtswert drei oder mehr Standardabweichungen unter dem Mittelwert der Bezugspopulation liegt.
Nach dem Nutritional Risk Screening15 (NRS 2002) ist die Schlüsselnummer E43 in der stationären Versorgung bei Erwachsenen auch zu benutzen, wenn folgende Kriterien erfüllt sind:
- Der NRS Score beträgt mehr als 4 und der Body Mass Index ist kleiner als 18,5 kg/m2 und/oder
- der NRS Score beträgt mehr als 4 und es liegt ein ungewollter erheblicher Gewichtsverlust von mehr als 15 Prozent innerhalb der letzten drei Monate (bzw. fünf Prozent innerhalb des letzten Monats) vor.
Inkl.: Hungerödem
E44 - Energie und Eiweißmangelernährung mäßigen und leichten Grades
E44.0 – Mäßige Energie- und Eiweißmangelernährung
Gewichtsverlust bei Kindern oder Erwachsenen oder fehlende Gewichtszunahme bei Kindern, die zu einem Gewichtswert führen, der zwei oder mehr, aber weniger als drei Standardabweichungen unter dem Mittelwert der Bezugspopulation liegt (oder einer ähnlichen Abweichung in anderen statistischen Verteilungen).
Wenn nur eine Gewichtsmessung vorliegt, besteht mit hoher Wahrscheinlichkeit eine mäßige Energie- und Eiweißmangelernährung, wenn der Gewichtswert zwei oder mehr, aber weniger als drei Standardabweichugnen unter dem Mittelwert der Bezugspopulation liegt.
Nach dem Nutritional Risk Screening15 (NRS 2002) ist die Schlüsselnummer E44.0 in der stationären Versorgung bei Erwachsenen auch zu benutezn, wenn folgende Kriterien erfüllt sind:
- Der NRS Score beträgt mehr als 3 und der Body Mass Index beträgt 18,5 bis 20 kg/m2 und/oder
- der NRS Score beträgt mehr als 3 und es liegt ein ungewollter Gewichtsverlust von mehr als fünf Prozent in zwei Monaten vor.
E44.1 – Leichte Energie- und Eiweißmangelernährung
Gewichtsverlust bei Kindern oder Erwachsenen oder fehlende Gewichtszunahme bei Kindern, die zu einem Gewichtswert führen, der ein oder mehr, aber weniger als zwei Standardabweichungen unter dem Mittelwert der Bezugspopulation liegt (oder einer ähnlichen Abweichung in anderen statistischen Verteilungen).
Wenn nur einen Gewichtsmessung vorliegt, besteht mit hoher Wahrscheinlichkeit eine leichte Energie- und Eiweißmangelernährung, wenn der Gewichtswert eine oder mehr, aber weniger als zwei Standardabweichungen unter dem Mittelwert der Bezugspopulation liegt.
Nach dem Nutritional Risk Screening15 (NRS 2002) ist die Schlüsselnummer E44.1 in der stationären Versorgung bei Erwachsenen auch zu benutzen, wenn folgende Kriterien erfüllt sind:
- Der NRS Score beträgt 3 und es liegt ein ungewollter Gewichtsverlust von mehr als fünf Prozent in drei Monaten bei Kindern oder Erwachsenen vor
R64 – Kachexie
Der Kode R64 kann kodiert werden, wenn bei Vorliegen einer Erkrankung der Gewichtsverlust ≥ 5%* in ≤ 12 Monaten beträgt, PLUS DREI der folgenden Kriterien vorliegen:
- Verringerte Muskelkraft (z. B. Handgriffstärke)
- Erschöpfung
- Appetitlosigkeit
- Niedriger Fettfreie-Masse-Index (fettfreie Masse [kg]/Körpergröße2[m2])
- Abnormale Biochemie
- erhöhte Entzündungsmarker (CRP > 5,0 mg/L, IL-6 > 4,0 pg/mL), oder
- Anämie (Hb < 12 g/dL), oder
- niedriges Serumalbumin (< 32 g/L)
* ohne Ödem; falls Gewichtsverlust nicht eruierbar, ist ein BMI <20,0 kg/m2 für die Diagnose der Kachexie ausreichend.
Anmerkung: Mit dem Schlichtungsspruch zur Kodierempfehlung Nr. 16 setzt das Institut für das Entgeltsystem im Krankenhaus GmbH (InEK) mit Gültigkeit zum 15.10.2020 neue Definitionskriterien für die Anwendung des Kodes R64 fest.
Die Entscheidung des Schlichtungsausschusses finden Sie hier.
Der Kode R64 Kachexie gehört zum ICD-10-GM Kapitel der R Symptome, welche subjektive und objektive Symptome, abnorme Ergebnisse von klinischen oder sonstigen Untersuchungen sowie ungenau bezeichnete Zustände darstellen, für die an anderer Stelle keine klassifizierbare Diagnose vorliegt. Die Möglichkeit einer Doppelkodierung mit z. B. E43 ff. ist somit unwahrscheinlich, wird jedoch nicht endgültig beantwortet.
Pocket Guide „Ernährungsscreening in der ambulanten Onkologie“
Der Pocket Guide des SVDE und VDD ist ein kompaktes Nachschlagewerk für medizinisch-, therapeutisch- und/ oder pflegerisch tätige Fachpersonen im onkologischen Bereich. Die Inhalte beruhen auf evidenzbasierter Literatur und dienen als konzeptionelle Orientierungshilfe für die Praxis.
Ziel des Pocket Guides ist die Früherkennung und Vermeidung von Fehl- und Mangelernährung auf Grundlage einer ernährungstherapeutischen Versorgung mittels des German-Nutrition Care Process (G-NCP).
- Hier als elektronische Version erhältlich.
- Bis zu vier kostenfreie Druckexemplare können bezogen werden über Fresenius Kabi Deutschland: kundenberatung@fresenius-kabi.de oder Tel.: 0800 788 7070.
Der Pocket Guide ist entstanden durch eine Zusammenarbeit der Fachgruppe Onkologie des Schweizerischen Verbands der Ernährungsberater*innen (SVDE) und des Verbands der Diätassistenten – Deutscher Bundesverband e.V. (VDD). Weitere Projektpartner beteiligen sich an einer Adaption für Deutschland.
Klinisches Setting
ICD-10-GM Kodiervorschläge zur Erfassung von Mangelernährung:
E43 - Nicht näher bezeichnete erhebliche Energie- und Eiweißmangelernährung
Erheblicher Gewichtsverlust (Unterernährung, Kachexie) bei Kindern oder Erwachsenen oder fehlende Gewichtszunahme bei Kindern, die zu einem Gewichtswert führen, der mindestens drei Standardabweichungen unter dem Mittelwert der Bezugspopulation liegt (oder eine ähnliche Abweichung in anderen statistischen Verteilungen).
Wenn nur eine Gewichtsmessung vorliegt, besteht mit hoher Wahrscheinlichkeit eine erhebliche Unterernährung, wenn der Gewichtswert drei oder mehr Standardabweichungen unter dem Mittelwert der Bezugspopulation liegt.
Nach dem Nutritional Risk Screening15 (NRS 2002) ist die Schlüsselnummer E43 in der stationären Versorgung bei Erwachsenen auch zu benutzen, wenn folgende Kriterien erfüllt sind:
- Der NRS Score beträgt mehr als 4 und der Body Mass Index ist kleiner als 18,5 kg/m2 und/oder
- der NRS Score beträgt mehr als 4 und es liegt ein ungewollter erheblicher Gewichtsverlust von mehr als 15 Prozent innerhalb der letzten drei Monate (bzw. fünf Prozent innerhalb des letzten Monats) vor.
Inkl.: Hungerödem
E44 - Energie und Eiweißmangelernährung mäßigen und leichten Grades
E44.0 – Mäßige Energie- und Eiweißmangelernährung
Gewichtsverlust bei Kindern oder Erwachsenen oder fehlende Gewichtszunahme bei Kindern, die zu einem Gewichtswert führen, der zwei oder mehr, aber weniger als drei Standardabweichungen unter dem Mittelwert der Bezugspopulation liegt (oder einer ähnlichen Abweichung in anderen statistischen Verteilungen).
Wenn nur eine Gewichtsmessung vorliegt, besteht mit hoher Wahrscheinlichkeit eine mäßige Energie- und Eiweißmangelernährung, wenn der Gewichtswert zwei oder mehr, aber weniger als drei Standardabweichugnen unter dem Mittelwert der Bezugspopulation liegt.
Nach dem Nutritional Risk Screening15 (NRS 2002) ist die Schlüsselnummer E44.0 in der stationären Versorgung bei Erwachsenen auch zu benutezn, wenn folgende Kriterien erfüllt sind:
- Der NRS Score beträgt mehr als 3 und der Body Mass Index beträgt 18,5 bis 20 kg/m2 und/oder
- der NRS Score beträgt mehr als 3 und es liegt ein ungewollter Gewichtsverlust von mehr als fünf Prozent in zwei Monaten vor.
E44.1 – Leichte Energie- und Eiweißmangelernährung
Gewichtsverlust bei Kindern oder Erwachsenen oder fehlende Gewichtszunahme bei Kindern, die zu einem Gewichtswert führen, der ein oder mehr, aber weniger als zwei Standardabweichungen unter dem Mittelwert der Bezugspopulation liegt (oder einer ähnlichen Abweichung in anderen statistischen Verteilungen).
Wenn nur einen Gewichtsmessung vorliegt, besteht mit hoher Wahrscheinlichkeit eine leichte Energie- und Eiweißmangelernährung, wenn der Gewichtswert eine oder mehr, aber weniger als zwei Standardabweichungen unter dem Mittelwert der Bezugspopulation liegt.
Nach dem Nutritional Risk Screening15 (NRS 2002) ist die Schlüsselnummer E44.1 in der stationären Versorgung bei Erwachsenen auch zu benutzen, wenn folgende Kriterien erfüllt sind:
- Der NRS Score beträgt 3 und es liegt ein ungewollter Gewichtsverlust von mehr als fünf Prozent in drei Monaten bei Kindern oder Erwachsenen vor
R64 – Kachexie
Der Kode R64 kann kodiert werden, wenn bei Vorliegen einer Erkrankung der Gewichtsverlust ≥ 5%* in ≤ 12 Monaten beträgt, PLUS DREI der folgenden Kriterien vorliegen:
- Verringerte Muskelkraft (z. B. Handgriffstärke)
- Erschöpfung
- Appetitlosigkeit
- Niedriger Fettfreie-Masse-Index (fettfreie Masse [kg]/Körpergröße2[m2])
- Abnormale Biochemie
- erhöhte Entzündungsmarker (CRP > 5,0 mg/L, IL-6 > 4,0 pg/mL), oder
- Anämie (Hb < 12 g/dL), oder
- niedriges Serumalbumin (< 32 g/L)
* ohne Ödem; falls Gewichtsverlust nicht eruierbar, ist ein BMI <20,0 kg/m2 für die Diagnose der Kachexie ausreichend.
Anmerkung: Mit dem Schlichtungsspruch zur Kodierempfehlung Nr. 16 setzt das Institut für das Entgeltsystem im Krankenhaus GmbH (InEK) mit Gültigkeit zum 15.10.2020 neue Definitionskriterien für die Anwendung des Kodes R64 fest.
Die Entscheidung des Schlichtungsausschusses finden Sie hier.
Der Kode R64 Kachexie gehört zum ICD-10-GM Kapitel der R Symptome, welche subjektive und objektive Symptome, abnorme Ergebnisse von klinischen oder sonstigen Untersuchungen sowie ungenau bezeichnete Zustände darstellen, für die an anderer Stelle keine klassifizierbare Diagnose vorliegt. Die Möglichkeit einer Doppelkodierung mit z. B. E43 ff. ist somit unwahrscheinlich, wird jedoch nicht endgültig beantwortet.
M 62.5 - Sarkopenie/ Muskelschwund und -atrophie, anderenorts nicht klassifiziert
Sarkopenie bezeichnet den fortschreitenden Verlust von Muskelmasse, Muskelkraft und körperlicher Leistungsfähigkeit. Sie tritt häufig im höheren Lebensalter auf, kann aber auch durch Mangelernährung, Bewegungsmangel oder chronische Erkrankungen begünstigt werden. Die Folgen reichen von eingeschränkter Mobilität und erhöhter Sturzgefahr bis hin zu einer verminderten Selbstständigkeit im Alltag. Eine frühzeitige Diagnose und gezielte Therapie mit Bewegung, Krafttraining und bedarfsgerechter Ernährung können den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen.
Ambulantes Setting
Über die Höhe der Kostenerstattung primärpräventiver und ernährungstherapeutischer Leistungen entscheidet die jeweils zuständige gesetzliche Krankenkasse.
Eine primärpräventive Beratung erfolgt auf Basis des § 20 SGB V. Dabei gelten die Vorgaben des Leitfaden Prävention. 19
Bei Vorliegen einer Erkrankung erfolgt eine ernährungstherapeutische Beratung nach ärztlicher Zuweisung. Eine (anteilige) Kostenübernahme erfolgt als sog. Kann-Leistung auf Basis des § 43 SGB V. Lediglich für Mukoviszidose (Cystische Fibrose, CF) und seltene angeborene Stoffwechselkrankheiten (SAS) ist die Ernährungstherapie ein verordnungsfähiges Heilmittel. 20
Seit 2024 können Krankenhäuser Qualitätsverträge zur Diagnostik, Therapie und Prävention von Mangelernährung mit Krankenkassen abschließen. Die DGEM unterstützt die Umsetzung und stellt hierzu Informationen sowie Materialien bereit.
Mangelernährung gemeinsam bekämpfen
Die „Malnutrition Awareness Week“ (MAW) ist eine europaweite Aktionswoche, die sich dem Thema Mangelernährung und ihren negativen Folgen widmet. Sie findet unter dem Dach der ONCA-Initiative (Optimal Nutritional Care for All) statt und verfolgt das Ziel, eine evidenzbasierte Therapie der Mangelernährung in den Strukturen des Gesundheitswesens zu etablieren.
Die DGEM macht in einer Woche im November gemeinsam mit vielen Kooperationspartnern auf die Problematik der krankheitsbezogenen Mangelernährung aufmerksam. Fachpublikum, politische und gesellschaftliche Entscheidungsträger, Betroffene und Interessierte sind dazu eingeladen, sich bei abwechslungsreichen Veranstaltungen zum Thema zu informieren und aktiv an der Diskussion teilzunehmen.
Auf der MAW-Website finden Sie Infomaterial zum Download.
2025 fand die MAW vom 10. bis 14. November 2025 statt.
Zu den Rückblicken der Vorjahre
1 Cederholm T, Barazzoni R, Austin P et al. (2017). ESPEN guidelines on definitions and terminology of clinical nutrition. Clinical nutrition. 36(1):49–64
2 Valentini L, Volkert D, Schütz T et al. (2013). Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin (DGEM) DGEM-Terminologie in der Klinischen Ernährung. Aktuelle Ernährungsmedizin. 38:97–111
3 Deutsches Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege (Hrsg.) (2010). Ernährungsmanagement zur Sicherung und Förderung der oralen Ernährung in der Pflege. DNQP, Osnabrück, S. 52
4 DGE Praxiswissen: Mangelernährung in Klinken
5 Bauer JM, Wirth R, Volkert D et al. (2008). Malnutrition, Sarkopenie und Kachexie im Alter – Von der Pathophysiologie zur Therapie. Deutsche Medizinische Wochenschrift. 133:305–310
6 Evans WJ, Morley JE, Argiles J et al. (2008). Cachexia: a new definition. Clinical nutrition. 27(6):793–9
7 Fearon K, Strasser F, Anker SD et al. (2011). Definition and classification of cancer cachexia: an international consensus. Lancet Oncology. 12:489–495
8 Cruz-Jentoft AJ, Bahat G, Bauer J et al. (2019). Sarcopenia: revised European consensus on definition and diagnosis. Age and ageing. 48(1):16–31
9 Pirlich M, Schütz T, Norman K et al. (2006). The German hospital malnutrition study. Clinical Nutrition. 25(4):563–72
10 Norman K, Pichard C, Lochs H et al. (2008). Prognostic impact of disease-related malnutrition. Clinical Nutrition. 27(1):5–15
11 Cederholm T, Jensen G, Correia M et al. (2019). GLIM Criteria for the Diagnosis of Malnutrition: A Consensus Report From the Global Clinical Nutrition Community. Clinical Nutrition. 38(1):1–9
12 SVDE Fachgruppe Onkologie und Praevcare GmbH (Hrsg.) (2021). Pocket Guide. Ernährungsscreening in der ambulanten Onkologie. Internet: https://www.onkologiepflege.ch/fileadmin/downloads/fachmaterial/downloa… (Zugriff am: 24.02.2022)
13 Nestle Nutrition Institute (Hrsg.). Mini Nutritional Assessment Short Form. Internet: https://www.mna-elderly.com/sites/default/files/2021-10/mna-mini-german… (Zugriff am 24.02.2022)
14 Schütz T, Valentini L, Plauth M (2005). Screening auf Mangelernährung nach den ESPEN-Leitlinien 2002. Malnutrition Universal Screening Tool (MUST). Aktuelle Ernährungsmedizin. 30(2):99–103
15 Schütz T, Valentini L, Plauth M (2005). Screening auf Mangelernährung nach den ESPEN-Leitlinien 2002. Nutritional Risk Screening (NRS-2002). Aktuelle Ernährungsmedizin. 30(2):99–103
16 Nestle Nutrition Institute (Hrsg.). Mini Nutritional Assessment Long Form. Internet: https://www.mna-elderly.com/sites/default/files/2021-10/MNA-german.pdf (Zugriff am 24.02.2022)
17 Schütz T, Plauth M (2005). Subjective Global Assessment – eine Methode zur Erfassung des Ernährungszustandes. Aktuelle Ernährungsmedizin. 30(1):43–48
18 Ottery FD (2018). Scored Patient-Generated Subjective Global Assessment (PG-SGA) (Patientenbezogenes Ernährungsassessment). Internet: https://pt-global.org/wp-content/uploads/2018/05/PG-SGA-German-18-006-v… (Zugriff am 24.02.2022).
19 Spitzenverband Bund der Krankenkassen (Hrsg.) (2021). Leitfaden Prävention. Internet: https://www.gkv-spitzenverband.de/krankenversicherung/praevention_selbs… (Zugriff am 11.03.2022)
20 Koordinierungskreis zur Qualitätssicherung in der Ernährungsberatung und Ernährungsbildung (Hrsg.) (2019). Rahmenvereinbarung zur Qualitätssicherung in der Ernährungsberatung und Ernährungsbildung in Deutschland. Internet: https://www.dge.de/fileadmin/public/doc/fb/19-04-29-KoKreis-EB-RV.pdf (Zugriff am 11.03.2022)
Malnutrition Awareness
Week 2026
Die europaweite Aktionswoche zur Sensibilisierung für krankheitsbezogene Mangelernährung findet auch in diesem Jahr wieder im November statt.
